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Neue Dauerausstellung des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände mit Festakt eröffnet

Mit einem Festakt am heutigen Mittwoch, 4. November 2026, wurde die neue Dauerausstellung „Nürnberg und die Reichsparteitage“ des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände offiziell eröffnet. Zeitgleich beging das Haus sein 25-jähriges Bestehen. Ehrengast der Veranstaltung war Bundespräsident a. D. Christian Wulff, der nach einer Begrüßung durch Oberbürgermeister Marcus König die Festrede hielt. Es folgten Grußworte von Joachim Herrmann, Bayerischer Staatsminister des Innern, für Sport und Integration, und Maria Bering, Stellvertretende Amtschefin bei dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Anschließend gab es ein Gespräch des wissenschaftlichen Teams zur kuratorischen Neukonzeption. Die Öffentlichkeit konnte den Festakt via Livestream verfolgen, eine Aufzeichnung steht unter https://go.nuernberg.de/live-stream-dokuzentrum weiterhin zur Verfügung.

Oberbürgermeister Marcus König betonte in seiner Begrüßungsansprache: „Mich beeindruckt an der neuen Dauerausstellung besonders, wie sie vom konkreten Ort und von einzelnen Lebensgeschichten ausgeht, um größere historische Zusammenhänge verständlich zu machen. Sie schlägt damit eine Brücke zwischen der Geschichte Nürnbergs und der nationalen wie internationalen Geschichte. Sie zeigt, wie Menschen handelten, wie sie sich verhielten, wie sie profitierten, Widerstand leisteten oder zu Opfern wurden. Und sie lädt uns ein, genauer hinzusehen, statt uns mit einfachen Erklärungen zufriedenzugeben.“

Bundespräsident a. D. Christian Wulff hob in seiner Rede die Bedeutung der Menschenwürde hervor: „Demokratie ist für manche unspektakulär. Aber genau darin liegt ihre Würde, sie stellt die Person in ihrer Einzigartigkeit in den Mittelpunkt. Und ist deshalb das wohl Spektakulärste, was uns in Europa gelungen ist.“

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann erklärte: „Hier an diesem Symbolort des Terrors und der Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten nehmen wir den Auftrag an, unsere freiheitlich demokratische Grundordnung mit Leben zu erfüllen und gegen jeden Angriff zu verteidigen. Eine lebendige Erinnerungskultur ist ein unmissverständlicher Appell für Gegenwart und Zukunft. Der Freistaat Bayern steht entschlossen zur Erinnerungskultur und ich freue mich sehr, dass in den Umbau und die Neukonzeption der Ausstellung auch 5,85 Millionen Euro an Fördermitteln des Freistaats Bayern geflossen sind. Das ist bestens in unsere Demokratie investiertes Geld.“

Wolfram Weimer, der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM): „Das ehemalige Reichsparteitagsgelände ist ein Ort von besonderer historischer Bedeutung und eine eindringliche Mahnung an die Verbrechen des Nationalsozialismus. Die neue Ausstellung des Dokumentationszentrums setzt sich auf innovative Weise mit der propagandistischen Inszenierung des NS-Regimes auseinander sowie mit den verheerenden Folgen der Ausgrenzung und Menschenfeindlichkeit. Gerade in Zeiten, in denen Rechtsextreme und Populisten unsere Demokratie angreifen und einen Schlussstrich unter die Geschichte ziehen wollen, brauchen wir Orte des Lernens und der kritischen Reflexion – Orte wie diese: Hier in Nürnberg zeigt sich, was es bedeutet, wenn demokratische Gesellschaften Verantwortung für ihre Vergangenheit übernehmen und Orientierung für die Zukunft geben können. Ich freue mich, dass BKM dieses wichtige Vorhaben unterstützt.“

Bayerns Kultusministerin Anna Stolz: „Die Stadt Nürnberg stellt sich seit Jahren der besonderen historischen Verantwortung, die mit den baulichen Hinterlassenschaften der NS-Zeit auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände verbunden ist. Das Dokumentationszentrum ist seit mittlerweile 25 Jahren ein wichtiges Zeichen für eine lebendige Erinnerungskultur und eine bewusste Auseinandersetzung mit diesem dunklen Kapitel unserer Geschichte. Gerade in Zeiten, in denen sich Antisemitismus wieder offen in Deutschland zeigt und in denen Hass und Hetze zunehmen, brauchen wir Orte, die wertvolles Wissen vermitteln, zum Nachdenken anregen und den offenen Dialog fördern. Hier setzt die neue Dauerausstellung ‚Nürnberg und die Reichsparteitage‘ an und unterstreicht damit die enorme gesellschaftliche Bedeutung dieses Erinnerungsortes.“

Die neue Dauerausstellung „Nürnberg und die Reichsparteitage“ erschließt mit über 250 Objekten, knapp 40 Biografien, 500 historischen Fotos und Dokumenten sowie 25 innovativen Medienstationen einen zentralen historischen Ort der nationalsozialistischen Diktatur für die Gegenwart. Ein mehrsprachiger Media-Guide führt durch die Jahrzehnte vom Ende des Ersten Weltkriegs über die NS-Zeit und die Verbrechen im Zweiten Weltkrieg bis in die Gegenwart. Ausgehend von den Ereignissen in Nürnberg weitet sich der Blick zur nationalen und internationalen Geschichte. Interaktive Hands-on-Stationen laden zur eigenständigen Analyse ein und regen zur Selbstreflexion an. Neben der Dauerausstellung wurde auch das Haus selbst an das wachsende Aufgabenspektrum und den aktuellen technischen Standard moderner musealer Bildungseinrichtungen angepasst: Im neu erschlossenen Sockelgeschoss führt ein neu geschaffener Haupteingang barrierefrei ins Foyer. Hinzugekommen sind unter anderem ein großer Veranstaltungssaal sowie das inklusive „Café Arthur“.

Durch Hitlers Entscheidung wurde Nürnberg 1933 zur „Stadt der Reichsparteitage“. Das ehemalige Reichsparteitagsgelände ist das größte erhaltene Ensemble nationalsozialistischer Architektur in Deutschland. Von 1933 bis 1938 fanden hier mit den Reichsparteitagen aufwendig inszenierte Großveranstaltungen statt, die den jährlichen Höhepunkt der NS-Propaganda bildeten. Hunderttausende Parteimitglieder und Zuschauer nahmen daran teil. Noch immer zeugen auf dem Areal Reste der Großbauten von dieser Inszenierung des NS-Regimes.

Mit der Gründung des Dokumentationszentrums im Jahr 2001 übernahm die Stadt Nürnberg die Verantwortung, eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit diesem historischen Erbe zu führen. Nach den Entwürfen des Architekten Günther Domenig erbaut, wurde es in den Nordflügel der von den Nationalsozialisten für 50 000 Menschen konzipierten, unvollendet gebliebenen Kongresshalle eingepasst. Der moderne Bau setzt mit einem markanten Schnitt quer durch das denkmalgeschützte Gebäude einen bewussten Kontrast zur monumentalen Strenge der NS-Architektur. Vor 25 Jahren als Ort der Erinnerung und Auseinandersetzung eröffnet, hat sich das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände zu einem wichtigen Forum für historische Bildung, Forschung und Dialog entwickelt.

Das Haus ist Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr sowie Samstag und Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 7,50 Euro, ermäßigt 2,50 Euro. Weitere Informationen zum Beispiel zu Anfahrt, Barrierefreiheit oder Führungsprogramm gibt es online unter dokuzentrum-nuernberg.de.      ja

Quelle: Stadt Nürnberg · Amt für Kommunikation und Stadtmarketing

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